Die folgende Reportage entstand im Rahmen eines journalistischen Nachwuchswettbewerbs der young leaders GmbH. Autor ist der 17-jährige Schüler Lorenz Schmidt vom Christian-von-Bomhard-Gymnasium in Uffenheim. Im Kontext des Jugendpressekongresses in Berlin zum Thema „Nachhaltigkeit und Mobilität“ hat er sich mit Mobilitätsangeboten im ländlichen Raum beschäftigt.
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„Manchmal fahre ich in Dörfer mit vier oder fünf Häusern. Orte, die fast von Gott verlassen sind.“
Wenn der 70-jährige Enzo Mingolla von seiner Arbeit erzählt, merkt man schnell, dass er den Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim bestens kennt. Seit vier Jahren fährt er für das NEA Mobil Menschen von Ort zu Ort. Dabei kommt er auch in die kleinsten Dörfer, in die oft kein Linienbus mehr fährt.
Das NEA Mobil ist ein Rufbus-System. Fahrten können telefonisch oder per App gebucht werden. Anders als ein normaler Bus fährt das NEA Mobil nur dann, wenn es tatsächlich gebraucht wird. Mittlerweile ist das Angebot im gesamten Landkreis nutzbar.
Wer das Angebot nutzt? „Eigentlich jeder“, sagt Mingolla. Senioren gehören ebenso dazu wie Familien, Jugendliche oder Menschen mit Behinderung. Auch Rollstuhlfahrer können befördert werden. Die Fahrzeuge sind entsprechend ausgestattet. Außerdem stehen Kindersitze und Babyschalen zur Verfügung.
Viele Fahrgäste sieht Mingolla regelmäßig. „Mittlerweile kenne ich die Stammkundschaft“, erzählt er. Manche Menschen nutzen das Angebot mehrmals pro Woche. Gerade in kleineren Orten ist das NEA Mobil für viele längst Teil des Alltags geworden.
Dass Mingolla von dem Angebot überzeugt ist, merkt man schnell. Er fährt nicht nur für das NEA Mobil, sondern nutzt es auch privat. Wenn sein eigenes Auto in die Werkstatt muss oder er selbst eine Fahrt benötigt, steigt er als Fahrgast ein. Nach eigener Aussage hat er das Angebot in den vergangenen Jahren bereits mehr als 20 Mal genutzt.
Vor allem den Preis lobt Mingolla immer wieder. Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt ein Beispiel: Für eine knapp 40 Kilometer lange Fahrt kostet das NEA Mobil 22,60 Euro. Für dieselbe Strecke würden bei einem Taxi nach einer Online-Berechnung etwa 97,20 Euro anfallen. Gerade für Menschen, die regelmäßig auf Fahrten angewiesen sind, kann das einen erheblichen Unterschied machen.
Auch das Angebot selbst hat sich weiterentwickelt. Heute können Fahrgäste Ziele im gesamten Landkreis erreichen. Für viele Menschen bedeutet das deutlich mehr Flexibilität im Alltag.
Mingolla ist überzeugt, dass solche Angebote in Zukunft noch wichtiger werden. Nach seiner Beobachtung nutzen im Moment immer mehr Menschen das Angebot. Was ihm an seiner Arbeit am besten gefällt? Die Antwort kommt ohne langes Überlegen: „Der Umgang mit den Leuten.“
Doch wie sieht Mobilität auf dem Land außerhalb des NEA Mobils aus?
Ein Selbstversuch an einer Mitfahrbank in Gnodstadt sollte zeigen, wie das Angebot in der Praxis angenommen wird.
Dort steht eine der Mitfahrbänke, die vor rund sechs Jahren im Raum Marktbreit eingerichtet wurden. Die Idee dahinter ist einfach: Wer mitgenommen werden möchte, setzt sich auf die Bank und signalisiert vorbeifahrenden Autofahrern, dass er eine Mitfahrgelegenheit sucht.
45 Minuten lang wartete dort jemand auf eine Mitfahrgelegenheit. Rund 35 Autos fuhren vorbei. Angehalten hat niemand.
Auch aus der Verwaltungsgemeinschaft Marktbreit kam eine eher zurückhaltende Einschätzung. Nach Angaben von Jana Bernard, stellvertretende Hauptamtsleiterin der Verwaltungsgemeinschaft Marktbreit, gibt es mehrere Gründe dafür, dass die Mitfahrbänke bislang nur wenig genutzt werden. Zum einen seien vielen Menschen die Mitfahrbänke und ihre Funktionsweise gar nicht bekannt. Zum anderen spiele möglicherweise eine Hemmschwelle eine Rolle. Viele Menschen lernen schon früh, nicht zu Fremden ins Auto zu steigen und umgekehrt keine unbekannten Personen mitzunehmen. Genau darauf ist das Konzept der Mitfahrbank jedoch angewiesen.
Eine ältere Anwohnerin aus Gnodstadt erzählte außerdem, dass sie in den rund sechs Jahren seit der Einrichtung der Mitfahrbank noch nie jemanden dort habe warten sehen. Ihrer Einschätzung nach besitzen die meisten Menschen vor Ort ohnehin ein eigenes Auto.
Ein anderer Ansatz wird im Raum Seinsheim und Gnötzheim verfolgt. Dort sorgt der Generationenbus dafür, dass Menschen auch ohne eigenes Auto mobil bleiben.
In einem Telefongespräch erklärte die zweite Vorsitzende des Generationenbusvereins das Konzept. Das Angebot wird ehrenamtlich organisiert und von den Beteiligten gemeinschaftlich getragen. Mitglieder können die Fahrzeuge selbst nutzen. Eine Mitgliedschaft kostet 12 Euro pro Jahr. Hinzu kommen 35 Cent pro gefahrenem Kilometer sowie ein Euro pro Stunde Fahrzeugnutzung, maximal jedoch 16 Euro pro Tag.
Zusätzlich gibt es montags, mittwochs und freitags feste Fahrten. Dabei fährt der Bus durch die Ortschaften rund um Marktbreit und Ochsenfurt und bringt Menschen beispielsweise zum Einkaufen, zu Arztterminen oder ins Krankenhaus. Für diese Fahrten fällt nur ein Euro pro Fahrt an.
Besonders bemerkenswert ist das Engagement der Fahrer. Sie übernehmen ihre Fahrten ehrenamtlich. Ob das Angebot auch in Zukunft Bestand haben wird? „Ja, ich bin überzeugt davon“, sagt die zweite Vorsitzende des Generationenbusvereins. Allein letzte Woche seien drei neue Mitglieder hinzugekommen.
Ob Rufbus, Mitfahrbank oder Generationenbus – die Beispiele zeigen, wie kreativ und vielfältig Lösungen für Mobilität auf dem Land sein können.
Genau diese Frage beschäftigte auch die Teilnehmenden des 205. Jugendpressekongresses der young leaders GmbH in Berlin zum Thema „Nachhaltigkeit und Mobilität“, der vom Bundesministerium für Verkehr unterstützt wurde. Dort kamen junge Nachwuchsjournalisten mit Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ins Gespräch. Einer der Referenten war Prof. Dr. Jürgen Krahl, Präsident der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe, der über alternative Kraftstoffe und die Zukunft nachhaltiger Mobilität sprach. Dabei wurde deutlich, dass nachhaltige Mobilität nicht nur eine Frage neuer Technologien ist, sondern oft auch auf kleinen Ideen vor Ort basiert.
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Weitere Hintergründe, Praxisbeispiele und Ansätze für nachhaltige Mobilität im ländlichen Raum finden Sie auf KlimaChancen.