Rund 160 Jahre alt ist das Hauptgebäude, das eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat: Bei der Inbetriebnahme 1862 eröffnete der Bahnhof neue Möglichkeiten in Sachen Mobilität und Handel. Während der NS-Zeit wurden von hier jüdische Bürgerinnen und Bürger deportiert. Und in den vergangenen Jahrzehnten war das Gebäude dann dem Verfall preisgegeben. Unbewohnbar, aber denkmalgeschützt: keine einfache Kombination. Doch der gebürtige Mainzer Albrecht Schwedass, der schon über 40 Jahre in Fellheim lebt, traute sie sich zu.
Im Herbst 2022 stellte er einen Förderantrag beim Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Schwaben, das im Ort auch die laufende Dorferneuerung begleitet und finanziell unterstützt. Ein halbes Jahr später startete die Sanierung, die - zumindest was die Gebäudehülle angeht - im Herbst 2025 abgeschlossen wurde. Innen fehlt noch das eine oder andere, etwa der Putz, aber das hindert Schwedass nicht daran, das Hauptgebäude in Zusammenarbeit mit dem Atelier Lenz und dem Kulturveranstaltungsverein Cultura konzeptionell zu entwickeln und zu nutzen: etwa für Workshops, Erzählcafés, Konzerte und Bürotätigkeiten. Oder um das Forschungsprojekt „Butter Vieh Vernichtung – Nationalsozialismus und Landwirtschaft im Allgäu“ in einer Ausstellung zu präsentieren.
Flexibel nutzbare Räume, die Geschichte und Begegnung ermöglichen: Das war Schwedass bei der Sanierung wichtig, gerade in Hinblick auf sein kulturelles Engagement. „Ich wollte den Bahnhof nicht nur herrichten, sondern auch mit Leben erfüllen“, erklärt der Bauherr, der auch Finanzvorstand des Vereins Cultura ist. Dieser wurde nach dem Umbau der ehemaligen Fellheimer Synagoge zum Kulturzentrum ins Leben gerufen – ein Projekt der Dorferneuerung, in der Schwedass sich in der Vorstandschaft der Teilnehmergemeinschaft engagiert.
Dass auch private Baumaßnahmen im Rahmen der Dorferneuerung gefördert werden können, wusste der frühere Pharmaforscher, der inzwischen die Zusage in der Tasche hat. Für die beiden Gebäude erhält er zusammengerechnet rund 150.000 Euro vom ALE – eine wichtige Finanzspritze für Schwedass, der nach eigenen Angaben bald eine Million Euro ins Gesamtprojekt Bahnhof gesteckt hat. „Ohne die Förderung hätten wir das Hauptgebäude nicht so aufwendig renovieren können“, betont Schwedass, der das Nebengebäude bis Ende des Jahres altersgerecht umgebaut und saniert haben will.
„Wir unterstützen Albrecht Schwedass gerne“, resümiert Baudirektor Manuel Weigele vom ALE Schwaben, „denn mit seinem privaten Engagement hat er ein kulturhistorisches Gebäude erhalten, das noch dazu das Fellheimer Ortsbild aufwertet und die Dorfgemeinschaft im sozialen und kulturellen Sinn bereichert.“ Und letzteres hat, im Gegensatz zum Sanierungsprojekt, gerade erst begonnen.
Text: Andreas Langer, Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben