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Themenwoche Biodiversität - Interview mit Bürgermeister Anton Geier

Blumenwiese
Blumenwiese
© Couleur - Pixabay
Herr Geier, warum sind Blühwiesen für Kommunen wichtig?
Wichtig ist, dass die Bürgerinnen und Bürger verstehen, dass blühende Pflanzen eine wichtige Lebensgrundlage für Insekten in Städten und Dörfern sind. Blühflächen in einer Gemeinde sind nicht nur etwas Schönes, wir wollen damit auch anregen, mehr Blühmischungen in den heimischen Gärten zu verwenden. Früher neigte man dazu, alles abzumähen und sämtliche Blüher wie Gänseblümchen oder Löwenzahn mit Unkrautvernichter zu bekämpfen. Da hat erfreulicherweise ein Umdenken eingesetzt. Ich selbst mähe in meinem Garten die Blüten der Margeriten erst ab, wenn sie verblüht sind. Als Kommune setzen wir mit Blühflächen ein Zeichen. Wir wollen damit auch ein Bewusstsein für die Bedeutung solcher Blühwiesen schaffen, für unsere Artenvielfalt und die Biodiversität im Allgemeinen.

Welche Flächen haben Sie in Haag mit Blühmischungen besät?
Auch wenn es in der Gemeinde nur begrenzt geeignete Flächen gibt, konnten wir doch an einigen exponierten Stellen Beete mit Blühmischungen anlegen: entlang eines Bachlaufs, am Ortseingang, am Feuerwehrhaus und am Sportplatz. Eine weitere große Blühfläche ist der Kreisverkehr, den täglich rund 5000 Pkws passieren. Diesen haben wir mit einer sehr hochwertigen Saatgutmischung bepflanzt. Das Wechselspiel der Farben und Blüten kommt in der Bevölkerung sehr gut an. Inzwischen machen unsere blühenden Flächen etwa 5000 bis 6000 Quadratmeter aus. Dort wo wir Blühmischungen anlegen können und es Sinn macht, setzen wir das auch um. Das praktizieren wir jetzt seit etwa vier Jahren.

Wie hoch ist der Aufwand?
Abgesehen von der besonderen Pflege von Blühflächen erfordern Grünflächen generell einen gewissen Aufwand. Zwei Gemeindemitarbeiter kümmern sich an etwa sieben Tagen um die Flächen. Nachdem die Blütenexplosion nachgelassen hat und alles abgeblüht ist, mähen wir die Flächen mit der Sense oder dem Motormäher ab. Das Heu wird getrocknet und in Säcke abgefüllt. Unser Zweiter Bürgermeister Dominik Berg hat das gewonnene Saatgut verpackt und an Kinder unserer Gemeinde verschenkt, damit sie es zu Hause einsäen können. Diese Initiative ist wegen Corona leider etwas untergegangen. Wir möchten das aber nachholen. Wirtschaftlich betrachtet sind die Kosten überschaubar, auch wenn hochwertiges Saatgut seinen Preis hat. Die positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung motivieren unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und machen auch deshalb die Arbeit lohnend.

Was muss man bei der Pflege beachten?
Die Pflege von Blühflächen erfordert Fachwissen. Gemeindemitarbeiterinnen und -mitarbeiter sollten sich damit beschäftigen und fachlich dahinter bleiben. Natürlich könnte man das auch einem Dienstleister überlassen, aber wir als Gemeinde müssen auch den Kostenfaktor im Auge behalten. Damit also die Blühwiese ausreichend Blüten hervorbringt, schön anzusehen ist und ihren Zweck erfüllt, müssen die Mitarbeiter einiges beachten. Wichtig ist die richtige Auswahl des Saatguts. Es sollte hochwertig sein, also frei von unerwünschten Pflanzen, heimisch und für den Standort geeignet. Zum Beispiel sind stickstoffreiche Böden nicht besonders für eine Blühfläche geeignet. Aber auch der Zeitpunkt der Aussaat, das Ende der Blühzeit und der Zeitpunkt zum Mähen, sind entscheidend. Zudem müssen sich die Samen ausbilden können. Nur mit der erforderlichen Expertise wird das Projekt Blühwiese ein langjähriger Erfolg. Ein wenig Fachwissen ist also unumgänglich. Die fachliche Beratung haben wir vom Landratsamt und einem regionalen Saatguthersteller bekommen.

Was ist Ihr persönliches Fazit?
Wir freuen uns, dass wir als Gemeinde mit den Blühflächen zum Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt und des Artenreichtums beitragen können. Wichtig ist aber auch, dass die Bevölkerung das unterstützt. Und diese Unterstützung bekommen wir durch viele positive Rückmeldungen. Wenn ich beobachte, wie Bürgerinnen und Bürger die blühenden Beete fotografieren, bestärkt uns das, weiterhin in Blühflächen im Sinne der Biodiversität zu investieren.

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