Der Speichersdorfer Bürgermeister und ILE-Vorsitzender, Christian Porsch, begrüßte eine Reihe hochrangiger Gäste, darunter den Bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber, Finanzstaatssekretär Martin Schöffel, MdL Franc Dierl, den Behördenleiter des Amts für Ländliche Entwicklung (ALE) Oberfranken, Lothar Winkler sowie den stellvertretenden Landrat Klaus Bauer.
Nach dem musikalischen Auftakt durch die Fichtenhornbläser blickte Porsch auf die Gründung des ILE-Zusammenschlusses zurück. Anlass waren damals unter anderem massive Hochwasserschäden in der Region und die Erkenntnis, dass solche und viele weitere Herausforderungen nur in Zusammenarbeit mit den benachbarten Gemeinden bewältigt werden können. Diese Zusammenarbeit ist seit 20 Jahren eine Erfolgsgeschichte, da nicht nur zahlreiche Projekte umgesetzt, sondern auch viele Fördermittel in die Region gelenkt werden konnten.
Einige dieser Projekte hob Finanzstaatssekretär Martin Schöffel in seinem Grußwort hervor. 135 ILE-Regionen gibt es aktuell im Freistaat Bayern, die Frankenpfalz gehöre zu den Regionen, in denen nicht nur geredet, sondern gehandelt wird. Alleine über das ILE-Regionalbudget sind unzählige Kleinprojekte umgesetzt und mehr als eine halbe Million an Fördermitteln generiert worden. Einige Meilensteine stellten die Bürgermeister der Frankenpfalz-Gemeinden vor.
Matthias Böhner (Weidenberg) zeigte auf, wie es nur durch das Zusammenwirken der ILE mit der Flurneuordnung gelungen ist, durch den Bau von Rückhaltebecken Hochwasserschutzmaßnahmen umzusetzen. Zusammen mit dem Bau von Kernwegen und Maßnahmen im Rahmen der Initiative „boden:ständig“ konnte für die Landwirtschaft und den Bereich Boden-, Gewässer- und Hochwasserschutz vieles erreicht werden, was ohne die ILE nicht möglich gewesen wäre.
Gerhard Herrmannsdörfer (Emtmannsberg) berichtete über Projekte aus dem Bereich Landschaftspflege, wie etwa das Beweidungskonzept oder einen Imagefilm zum Thema Streuobst. Auch die Förderung der Wertschöpfung durch regionale Produkte gehört zum Portfolio. So wurde durch die ILE etwa Weidenberg als einer von 100 Genussorten in Bayern etabliert, die Streuobstinitiative „Apfel-Grips“ mit dem Umweltpreis der Bayerischen Landesstiftung ausgezeichnet oder der Dorfladen in Emtmannsberg unterstützt.
Stefan Roder (Seybothenreuth) zeigte beispielhaft auf, wie auf der Basis eines ILE-Innenentwicklungskonzeptes eine Industriebrache in Seybothenreuth mit 90% Förderung wieder einer wirtschaftlichen Nutzung zugeführt werden konnte. Auch Maßnahmen der Dorferneuerung und der Bau von Dorfgemeinschaftshäusern, wie z.B. in Plössen, sind auf dieses Konzept zurückzuführen. Das ILE-Regionalbudget oder Wettbewerbsgelder würden ebenfalls gezielt zur Innenentwicklung eingesetzt.
Markus Brauner (Kirchenpingarten) stellte das ILE Wander- und Radwegekonzept vor. Über 70 Wege wurden in der Region erfasst, digitalisiert und textlich beschrieben. Zusammen mit Sehenswürdigkeiten und Tourenvorschlägen wurden neue Freizeitkarten gestaltet und 18 neue Wander- und Radwegetafeln aufgestellt. Als Highlight gilt der neu ausgewiesene Themenweg „Alte Handelsstraße“, auf dem sich Wanderer an zehn Infotafeln über die historischen Besonderheiten entlang des Weges informieren können.
Zum Abschluss ging Christian Porsch (Speichersdorf) noch auf das ILE-Regionalbudget ein. Völlig unbürokratisch konnten in den vergangenen Jahren bereits 99 Kleinprojekte mit einer Summe von rd. 570.000 € gefördert und damit Gesamtinvestitionen von rd. 1 Mio. € ausgelöst werden. Die Mittel, die zu 90% über das ALE in die Region fließen, werden gezielt dazu eingesetzt, Projekte in den Bereichen Innenentwicklung, Naherholung, Soziales, Naturschutz und Landschafspflege zu fördern. Viele Vereine haben bereits von dieser Förderung profitiert und sorgen mit ihren Projekten dafür, dass lebendige Dorfgemeinschaften erhalten bleiben.
Lothar Winkler, Leiter des ALE, konnte dies nur bestätigen. Die ILE Frankenpfalz im Fichtelgebirge habe sich über all die Jahre hinweg als aktive Region behauptet und könne stolz auf das bisher erreichte sein. Winkler dankte zudem den Ministerien für die entsprechende Mittelausstattung, die dann wiederum den ILE-Regionen zugutekommt.
Stellvertretender Landrat Klaus Bauer stand gleich in mehrfacher Funktion am Rednerpult. Früher Geschäftsleiter in Speichersdorf, heute in der VG Weidenberg, hat er die Frankenpfalz von Anfang an begleitet. Bauer hob neben der Bedeutung der ILE für den Landkreis auch die unkomplizierte Zusammenarbeit innerhalb der ILE hervor. Vor allem durch die Einstellung des ILE-Managers Tobias Hofmann vor rund zehn Jahren habe sich der Zusammenschluss auf die Überholspur begeben.
Mit etwas zeitlicher Verspätung kam schließlich der Bayerische Umweltminister Thorsten Glauber zu seinem Grußwort. Glauber bezeichnete die ILE Frankenpfalz als Erfolgsmodell und wichtiges Instrument, um die Herausforderungen im ländlichen Raum gemeinsam zu bewältigen. Die Fülle an Aktivitäten, umgesetzten Projekten und generierten Fördermitteln zeige, dass die Zusammenarbeit hervorragend funktioniert. Der Ländliche Raum brauche diese Unterstützung auch weiterhin unmittelbar vor Ort und nicht nur in den großen Zentren.
Als Dankeschön für einen zwischenzeitlichen Auftritt der Kindervolkstanzgruppe der Landjugend Plössen hatte Christian Porsch, der souverän durch die Veranstaltung führte, bereits Gummibärchen verteilt. Nun bat er zusammen mit seinen Amtskollegen alle ehemaligen Bürgermeister der ILE auf die Bühne, um Sie für ihre langjährigen Verdienste zu ehren und Geschenkkörbe aus dem Dorfladen Emtmannsberg zu überreichen.
Ein letzter Auftritt der Fichtenhornbläser läutete das offizielle Ende der Jubiläumsfeier ein. Gefeiert wurde aber noch länger, denn direkt im Anschluss Uhr begann die Kirchweih. Die Scheune füllte sich bis auf den letzten Platz und auch die Ehrengäste blieben gerne noch eine Weile sitzen. Thorsten Glauber, Lothar Winkler, Klaus Bauer und Christian Porsch übernahmen den Bieranstich zum Kirchweihstart. Die Dorfjugend hatte alles bestens organisiert und so wurde in der festlich geschmückten Scheune bei guter Stimmung noch lange gefeiert.